| Besucherrekord bei der Gründermesse in der Stadthalle: 3157 potenzielle Firmengründer kamen, darunter auffallend viele Frauen. Ein Lokalaugenschein.
Hektisches Treiben auf der Gründermesse. Potenziell Firmengründer flitzen mit ihren roten Info-Koffern durch die Grazer Stadthalle, um die Ausstellungsstände abzuklappern und wertvolle Tipps mit nach Hause zu nehmen. Auch aus dem nahen Slowenien sind zahlreiche Besucher angereist. Das Publikum ist bunt gemischt, neben Männern in Anzügen tummeln sich etliche Jungfamilien. Und auffallend viele Frauen.
Sibylle Triulzi eine von exakt 3157 Besuchern der Gründermesse, die gestern zum sechsten Mal über die Bühne ging. Ihren Job als Krankenschwester wird sie schon bald an den Nagel hängen und sich im Handel selbstständig machen. „Das war schon immer mein Traum", erzählt sie. Ihren Esoterik- und Geschenkeshop in Deutschlandsberg will die 33-Jälrige ab Mitte Dezember allein führen. „Wenn Not am Mann ist, hilft meine Familie sicher aus“, hofft sie auf Unterstützung. Auf dem Weg in die Selbstständigkeit musste die Frau allerdings einige Steine aus dem Weg räumen. „Das Schwierigste dabei war, ein Geschäftslokal zu finden.“ Noch nicht ganz ausgereift sind die Pläne von Anna-Maria Kalcher (26) aus Feldbach. Die ausgebildete Frisörin will gemeinsam mit einer Freundin den Weg in die Selbstständigkeit beschreiten und ein Textilgeschäft in Gnas eröffnen. „Spätestens in einem Jahr soll es losgehen", weiß ihr Mann Eduard. Während seine Frau wichtige Infos zu Start, Finanzierung und Behördenwegen einholt, kümmert sich der technische Angestellte um Sohn Michael (acht Monate). Dass die Mutter als Unternehmerin durchstarten will, ist für die junge Familie kein Problem: „Organisation ist alles. Schon im Vorfeld wird alles genau abgecheckt", ist Kalcher überzeugt.
Tausende Gründungen
Mit ihren Plänen sind die beiden Frauen nicht allein. Exakt 3746 Unternehmen wurden im Vorjahr in der Steiermark gegründet, 979 Neugründungen gab es allem in Graz. Nur ein geringer Teil der Unternehmen verschwindet nach erfolgreicher Gründung bald wieder von der Bildfläche, rund zwei Drittel sind nach fünf Jahren noch am Markt. Bemerkenswert ist, dass der Frauenanteil unter den Unternehmern stetig steigt. Im Jahr 2003 waren 35,9 Prozent aller Gründer weiblich, Tendenz steigend. Ob Männlein oder Weiblein: Welche Eigenschaften sollte ein Unternehmer haben? „Vor allem die Konsequenz, seine Ideen durchzuziehen", sagte Franz Kerber, Vorstandsdirektor der Steiermärkischen Bank und Sparkassen AG Anlässlich der Eröffnung; „Im Vorfeld sollte man in sich gehen und hinterfragen, ob man diese Verantwortung übernehmen und schwierige Entscheidungen treffen kann."
Kleine Zeitung, 27. Oktober 2004 |
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